Präses des SSB Richard Steilmann

Liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder!

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so: In diesem Corona- Jahr höre ich manche Bibelstelle ganz anders. Zum Beispiel den prophetischen Text aus dem Buch Jesaja: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht. (Jes 9,1).- So fängt diese Lesung an und wird jedes Jahr in der Christmette gelesen. Es geht um die Ankündigung eines neuen Herrschers und einer neuen Zeit, einer friedlichen Zeit. Alles wird gut!- scheint der Prophet Jesaja da zu sagen.

Alles wird gut! Das war in diesem nun zu Ende gehenden Jahr oft zu hören und zu lesen. Im Frühjahr hat es in Italien an den Fenstern und Balkonen gehangen, um den Menschen Mut zu machen in dieser furchtbaren Corona- Krise: „Andra tutto bene.“ – Alles wird gut! Es waren schreckliche Bilder, die uns von dort im März erreicht haben: verzweifelte Ärzte und Krankenschwestern auf den Intensivstationen, Militärkonvois, die Särge abtransportiert haben. Auch kirchliche Hilfswerke haben dieses Jahr Alarm geschlagen wie nie. Ganze Völker, zum Beispiel am Amazonas, waren vom Aussterben bedroht. „Das Volk, das im Dunkeln lebt.“- So ein Satz bekommt da eine neue Bedeutung, eine ganz aktuelle Dramatik. Ja, die Finsternis ist groß in diesem Jahr. Viele sehnen sich nach einem Licht am Ende des Tunnels, nach einer besseren, gesünderen und friedlicheren Zukunft.
Bei uns in Deutschland ist die Finsternis, die das Corona- Virus mit sich bringt, im Vergleich zu anderen Ländern nicht ganz so finster. Wir haben ein gutes und stabiles Gesundheitssystem. Aber die Dunkelheit gibt es auch bei uns: Menschen, die um ihren Job bangen, Menschen, die selbst krank geworden sind oder um einen verstorbenen Angehörigen und Freund trauern. Und dann ist da noch die besondere Form von Dunkelheit in der Corona- Krise: die Einsamkeit. Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln sorgen dafür, dass sich weniger Menschen treffen. So viele Feste und Veranstaltungen mussten ausfallen: unsere Schützenfeste…, die Begegnungen mit anderen, die Umarmungen. Dunkle Stunden sind für viele Menschen auch einsame Stunden.

„Ein Licht strahlt auf“, heißt es in dem Text des Propheten Jesaja. In der Finsternis und dem Dunkeln, das wir in diesem Corona- Jahr erleben, scheint Hoffnung auf. Ein Licht am Ende des Tunnels sozusagen. Vielleicht hat Gott seine Finger mit im Spiel. Er schickt uns Hoffnungsträger und Lichtbringer – wie diesen Jesus von Nazareth damals. Und er hat vielleicht mitgeholfen, dass wir einen Impfstoff gefunden haben in kürzester Zeit. Da keimt Hoffnung auf. Es will wieder eine bessere Zeit anbrechen. Gerade jetzt, in der dunkelsten Zeit, schickt Gott uns ein Licht. Gott will mein Leben hell machen.

Gott will aber nicht nur jeder und jedem Einzelnen von uns Licht schenken. Er will auch, dass wir selbst Lichtträger der Hoffnung werden. Gott braucht Menschen, die das Licht weitertragen. Wir sollen als Kinder des Lichtes leben heißt es im Epheserbrief (5,8). Wenn wir, gerade in Krisenzeiten, gütig und aufmerksam und friedlich miteinander umgehen, dann kann das Licht Gottes sich durch uns ausbreiten. Die Welt kann wirklich heller und freundlicher werden. Möge uns das Licht der Weihnacht in diesem Jahr besonders leuchten und trösten und uns verwandeln in Kinder des Lichts.
Liebe Schützen, gehen wir voller Hoffnung in das neue Jahr und stehen wir grade in dieser schwierigen Zeit als Schützenschwestern und Schützenbrüder zusammen und kommen Sie alle gut und gesund durch die nächsten Wochen und Monate.

Frohe und gesegnete Weihnachten und Gottes Segen für das Jahr 2021 wünscht Euch, auch im Namen von Johannes Böhnke,

Euer Richard Steilmann
Leiter des Pastoralverbundes Bigge-Olsberg und katholischer Präses des SSB

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